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Winterzeit ist Nierenzeit

Im Winter ruht der Samen in der Erde. Jetzt werden Kräfte gesammelt. Altes stirbt, Neues bereitet sich vor, noch verborgen unter Schnee und Eis. Der Winter wird in der TCM dem Wasserelement zugeordnet und entspricht dem fortgeschrittenen Lebensalter, der Sammlung und Weisheit. Man geht in sich, sucht in der Tiefe nach der Essenz des Lebens – und wird frei von Angst.

In der Tiefe liegt die Kraft

In der Psychologie spricht man sogar von der Depression in der Natur und meint damit etwas Positives – den Rückzug der Natur, der als Pause für Regeneration und Kräftesammeln verstanden wird. Zur Wintersonnenwende am 21. Dezember kehrt das Licht dann wieder zurück und der Keim tief in der Erde erhält seine ersten Wachstumsimpulse. Auch andere Kulturkreise kennen die kraftvolle Tiefe, die der Winter mit sich bringt. In der Astrologie regiert jetzt Pluto, der tief Verborgenes aus dem Unterbewusstsein hervorholt und zur Heilung bringt. Er ist auch der Herr des Todes und der Unterwelt. In diese Zeit fallen die Totenfeste – weltweit interessanterweise. Das keltische Fest Samhain, das im Christlichen durch die Festtage Allerheiligen und Allerseelen übernommen wurde, wie eng sich die Totenwelt in diesen Tagen mit der Welt der Lebenden verbindet. Im irischen Halloween Fest ist das noch greifbar, aber auch im mexikanischen Totenfest Dia de la Muerte – ein Fest am ganz anderen Ende der Welt und doch zum selben Zeitpunkt.

Was uns im Winter gesund erhält

Wir sind stärker von den Rhythmen der Natur abhängig als wir glauben. Der Winter ist nach traditionell chinesischem Denken die wichtigste Zeit, um die Niere und ihr Partnerorgan, die Blase, zu regenerieren. Alle guten Maßnahmen, die man diesen Organen während ihrer “Hauptzeit”, dem Winter, zukommen lässt, wirken sich doppelt günstig aus. Alles, was ihnen schadet, wirkt sich umso negativer aus. Wer jetzt richtig vorgeht, kann nicht nur die Organe Niere und Blase selbst stärken, er kann insgesamt physisch, psychisch und energetisch profitieren. Im Frühling wird er dann kraftvoll durchstarten können, statt von Frühjahrsmüdigkeit geplagt zu werden.

Knochen stärken - Im Winter ist die beste Zeit dafür

Im Winter hat auch die Knochenreparatur Hochsaison. Aber nicht nur wegen des Schifahrens und gehäuft auftretender Knochenbrüche. Die Knochen sind dem Wasserelement und Niere-Blase zugeordnet. Sie kontrollieren und versorgen energetisch Knochen, Zähne, Geschlechtsorgane, Fortpflanzung, Wachstum, Rückenmark, Gehirn, Kopfhaar, Gehör und alle Wasserwege des Körpers. Alles, was man jetzt im Einklang mit den Kräften der Natur für Niere-Blase und die vom Wasserelement kontrollierten Bereiche unternimmt, hilft ihnen doppelt. Alles, was dem entgegensteht, schadet ihnen jetzt ebenfalls doppelt.

Auspowern schadet der Nierenenergie

Auspowern in jeder Richtung wirkt sich zum Beispiel gerade im Winter verheerend aus. Es kostet jetzt noch mehr Substanz (Yin) als sonst. Dabei ist der Winter „die“ Yin-Zeit schlechthin, während der Sommer „die“ Yang-Zeit ist. Das Yin sollte uns jetzt mit maximaler Kraft zur Verfügung stehen und Regeneration der Körpersubstanz, insbesondere der Knochen, Zähne usw. ermöglichen. Das ist aber nur möglich, wenn wir seine Bedürfnisse erfüllen: Ruhe, Entspannung, innere Einkehr, Besinnlichkeit, ausreichend Schlaf, Wärme – vor allem Füße warmhalten – sowie warmes Essen sind jetzt noch wichtiger als sonst. Wer sich daran hält, sammelt bereits Kraft für den Frühling und wird dann nicht unter Frühjahrsmüdigkeit und Erschöpfung leiden müssen.

Symptome einer schwachen Nierenenergie

Das Ergebnis ist eine schwache Nierenenergie, die auch mit depressiver Stimmung, Ängsten, Verwirrtheit, Verzagtheit, Erschöpfung und Kälte einhergeht. Dabei wird mit beeinträchtigt, was nach den Lehren der TCM von einer starken Nierenenergie abhängt: die Potenz, das Haar, die Ohren, die Zähne und die Knochen. Gibt es in diesen Bereichen Probleme jeglicher Art, ist auf die Nierenenergie ganz besonders zu achten.

Außerdem wird in der TCM zwischen einer Yin- und einer Yang-Schwäche der Nieren unterschieden mit sogar gegensätzlichen Symptomen.

    • Nieren-Yin-Mangel äußert sich in Schlaflosigkeit, innerer Unruhe, Haarausfall, Hitzewallungen, Schilddrüsenüberfunktion, Verstopfung, Osteoporose oder frühzeitigem Ergrauen.
    • Nieren-Yang-Mangel hingegen verursacht Antriebslosigkeit, kalte Füße und Neigung zu frieren, Wasseransammlungen, nächtlichen Harndrang, morgendlichen Durchfall, Schilddrüsenunterfunktion, Fruchtbarkeitsprobleme und Schwerhörigkeit

Die Niere als Energiespeicher

Die Niere hat in der TCM nicht nur die Aufgabe eines Ausscheidungsorgans. Sie steuert vielmehr auch den vorgeburtlichen Energiespeicher (Jing), diejenige Menge an Energie, die wir von den Eltern mitbekommen haben. Dieser Speicher soll uns ein ganzes Leben lang zur Verfügung stehen und bis ins hohe Alter reichen, das zu erlangen stets das Ziel der Taoisten war. Im Winter lautet deshalb das Gebot: Die Nierenenergie schonen und regenerieren! Stattdessen tun viele gerade das Gegenteil – Kräfte raubendes, hektisches Leben, langes Aufbleiben, das Festhalten an anstrengenden, gestörten Beziehungen, sexuelle Ausschweifungen und abkühlende Nahrungsmittel verzeiht der Körper bestenfalls im Sommer, das alles entspricht aber nicht seinen energetischen Bedürfnissen im Winter. Je älter man ist, desto weniger verträgt man so einen erschöpfenden Lebensstil. Deshalb sollten wir Strapazen jetzt möglichst vermeiden, zur Ruhe kommen, auch in Beziehungen mehr die ruhige Zweisamkeit als Ausschweifungen suchen.

Einfache Tipps aus der TCM

Ein Ausgleich wird in der TCM in erster Linie über die Ernährung und mithilfe von körperlichen Übungen (Qi-Gong) geschaffen.
Auf jeden Fall ist empfohlen, im Winter dreimal täglich warm zu essen.
Langes Köcheln oder Braten der Speisen sind günstig, dunkle Nahrungsmittel und solche aus dem Wasser (Fisch) sollten bevorzugt werden.
Dunkle Nahrungsmittel sind: Wildreis, schwarze Bohnen, Johannisbeeren, schwarze Datteln oder Trockenpflaumen.

Wie man die Nieren unterstützt

Wer die Nieren oft belastet oder schlechte Lebensgewohnheiten hat, kann mit der Zeit an den gesundheitlichen Folgen leiden. Steigt etwa Kreatinin (ein Stoffwechselprodukt), verschlechtert sich die Funktionstüchtigkeit der Nieren. Das Blut wird nicht ausreichend gefiltert, man fühlt sich aufgebläht und müde. Nierenbeschwerden können schwerwiegende Folgen haben, daher ist Vorsorge und eine Pflege der Nieren zu empfehlen. Ausreichend Wasser trinken ist das bekannteste „Gebot”. Auch die Füße und Nierengegend warmhalten und ausreichend schlafen, Stress meiden, mit Fleisch, Wurst, Alkohol und Salz sparsam umgehen und nur unraffiniertes Natursalz verwenden, sind weitere „Nieren-Tipps”. Wichtig ist auch Harndrang nicht Stunden lang zurück zu halten, da der Urin dadurch zu stark konzentriert wird. Übermäßig säurebildende Nahrungsmittel meiden, auf Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte achten, besonders, wenn das Gefäßrisiko durch Diabetes erhöht ist. Diabetiker müssen “gut eingestellt” sein, um die Niere nicht zu schädigen und sie brauchen Bewegung. Raucher sind besonders anfällig für Nierenerkrankungen. Das gilt besonders für Diabetiker.

NIEREN STÄRKENDE ERNÄHRUNG IM WINTER

Dreimal täglich warm essen. Nahrung aus dem Wasser wie Fisch und dunkle Nahrungsmittel bevorzugen wie Wildreis, schwarze Bohnen, Johannisbeeren, schwarze Datteln oder Trockenpflaumen. Langes Köcheln oder Braten im Ofen bekommt jetzt besser als scharfes Anbraten oder dünsten.

Frühstück: Hirse- oder Polentabrei oder Süßreis, immer frisch machen oder für ein paar Tage vorbereiten. Dazu geschnittenes Trockenobst, geriebene Nüsse, Zimt, Zitronenschale, mit Kompott oder Apfelmus essen. Dazu sind Früchte geeignet wie Birnen, Zwetschken und Äpfel, außerdem Gewürze wie Nelken, Zimt, Vanille und Kardamom.

Mittag oder Abend: Langgekochte Hühnersuppe, Gemüsesuppen (Kürbis, Kartoffel, Brokkoli etc.), Braten im Rohr mit Lamm, Huhn, Lachs, rote Rübe, Kartoffeln, Bohnen, Linsen, Gemüseeintopf der Saison

Gesunder Wintersnack: Maroni, Nüsse, getrocknete Früchte, Kompott

Stärkung des Nieren-Yin

Algen (besonders Wakame), Amaranth, Bohnen (schwarz oder dunkel), Brombeeren, Fisolen (grüne Bohnen), Heidelbeeren (Blaubeeren), Himbeeren, Hirse, Johannisbeeren, Kokosnuss und –milch, Linsen, Maulbeerfrüchte, Olivenöl, Rosinen, schwarzer Sesam, Sesamöl, Shiitake Pilze, Sojasauce (Tamari oder Shoyu), Sonnenblumenkerne, Tofu, dunkle Weintrauben

Stärkung des Nieren-Yang

Scharf oder salzig essen, thermisch wärmend bis erhitzend (lange köcheln, braten), Ingwerwurzel, Karpfen, Lauch, Quinoa, Rotwein, Sardine, Walnuss, Wildreis

Nieren-Yin & Nieren-Yang stärkend

Hafer, Kürbiskerne und –öl, Maroni
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